Pokémon-Karten Wert ermitteln

Set finden, Variante erkennen, Marktwert statt Angebotspreis lesen — und den Zustand einrechnen.

Veröffentlicht 15. September 2026 Lesezeit 7 Minuten Autor Colin Schweikert

Die meisten Wertschätzungen gehen an derselben Stelle schief: Jemand tippt den Kartennamen bei eBay ein, sieht ein Angebot über 400 €, und hält das für den Wert. Beides stimmt meistens nicht — weder ist es dieselbe Karte, noch ist ein Angebot ein Preis.

Der Weg zu einer belastbaren Zahl hat fünf Schritte.

1. Die Karte eindeutig bestimmen

Der Name reicht nicht. Dasselbe Motiv erscheint über die Jahre in verschiedenen Sets, und zwischen ihnen liegen oft Zehnerpotenzen. Du brauchst zwei Angaben, beide stehen unten auf der Karte:

  • Die Kartennummer, meist als Bruch — zum Beispiel 4/102. Die erste Zahl ist die Karte, die zweite die Größe des Sets.
  • Das Set-Symbol neben der Nummer.

Die Kartennummer ist dabei der verlässlichere Anker. Der Set-Name ist auf vielen Karten gar nicht ausgeschrieben — dort steht die Serie, und die umfasst oft mehrere Sets. Wer nach dem Text auf der Karte sucht, landet deshalb regelmäßig beim falschen Set.

2. Die Druckvariante erkennen

Innerhalb desselben Sets gibt es dieselbe Karte oft mehrfach:

  • Normal — mattes Bild, kein Glanz.
  • Holo — die Bildfläche glänzt, der Rahmen nicht.
  • Reverse Holo — umgekehrt: der Rahmen glänzt, das Bild ist matt.

Das ist kein kosmetischer Unterschied. Die Varianten haben eigene Preise, und zwischen ihnen liegen regelmäßig Faktoren statt Prozente. Bei älteren Karten kommen Merkmale wie 1. Edition oder Shadowless dazu, die den Wert nochmals verschieben.

Auch die Sprache des Drucks zählt: eine deutsche und eine englische Fassung derselben Karte sind unterschiedlich viel wert. Englische Drucke haben den größeren Markt, deutsche in manchen Sets den knapperen Bestand.

3. Marktwert lesen, nicht Angebotspreis

Jetzt die entscheidende Unterscheidung:

Ein Angebot ist eine Behauptung. Erst ein Verkauf ist ein Preis.

Auf Cardmarket ist der relevante Wert der Marktpreis, nicht das günstigste offene Angebot. Auf eBay musst du aktiv umschalten: Filter auf Verkaufte Artikel. Ungefilterte eBay-Suchen zeigen dir Wunschpreise von Verkäufern, die teilweise seit Monaten dort stehen — genau weil sie zu hoch sind.

Für Europa ist Cardmarket die bessere Quelle, weil die Preise in Euro sind und nicht aus Dollar umgerechnet werden müssen. Für gegradete Karten dreht sich das um: dort sind verkaufte eBay-Listings aussagekräftiger, weil Slabs dort den Großteil ihres Umsatzes machen.

4. Den Zustand einrechnen

Jeder Marktpreis, den du irgendwo liest, meint stillschweigend Near Mint. Deine Karte ist das wahrscheinlich nicht. Für den tatsächlichen Wert musst du den Referenzpreis auf ihren Zustand umrechnen.

Das ist die Leiter, mit der CardBroker intern rechnet — die CardMarket-Skala, weil auch die Preise von dort kommen:

StufeBedeutungAnteil vom NM-Preis
MTMint1,05 ×
NMNear Mint1,00 ×
EXExcellent0,78 ×
GDGood0,55 ×
LPLight Played0,45 ×
PLPlayed0,32 ×
POPoor0,15 ×

Eine Karte in Good ist also nicht „etwas weniger wert”, sondern rund die Hälfte. Und eine Karte, die du für Near Mint hältst, ist es oft nicht — wie du das ehrlich einschätzt, steht im Ratgeber zum Kartenzustand.

5. Gegenprüfen und einordnen

Rechne am Ende gegen, ob die Zahl plausibel ist:

  • Gibt es überhaupt genug Verkäufe? Bei einer Karte, die im Monat zweimal gehandelt wird, ist jeder einzelne Verkauf der „Markt”. Solche Preise schwanken stark — das ist keine Fehlfunktion, sondern die Marktlage.
  • Liegt der Preis weit außerhalb vergleichbarer Karten desselben Sets? Dann stimmt meist die Zuordnung nicht, nicht der Markt.
  • Ist die Karte gegradet? Dann vergleiche nur mit derselben Note desselben Anbieters. Eine PSA 9 und eine PSA 10 sind wirtschaftlich zwei verschiedene Karten.

Die drei häufigsten Fehler

  1. Das falsche Set. Der mit Abstand häufigste Fehler. Immer über die Kartennummer gehen, nicht über den Namen.
  2. Angebot statt Verkauf. Besonders auf eBay ohne den Filter auf verkaufte Artikel.
  3. Zustand ignorieren. Der Referenzpreis gilt für Near Mint. Alles andere muss heruntergerechnet werden.

Und wenn es schneller gehen soll

Der Ablauf oben funktioniert für eine Karte. Für einen Ordner mit zweihundert wird er zum Abend. Genau dafür gibt es den Karten-Scanner: Karte fotografieren, Set, Nummer, Variante und Zustand werden ausgelesen, der Marktwert samt Zustandsfaktor steht sofort da.

Woher diese Preise stammen und wo ihre Grenzen liegen, steht offen auf der Seite Woher die Preise kommen.

Karte fotografieren statt nachschlagen

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