Sammler überschätzen den Zustand ihrer eigenen Karten fast immer. Das ist kein Vorwurf — es ist eine Wahrnehmungsfrage. Man kennt die Karte, man weiß, dass man sie gut behandelt hat, und die kleine weiße Stelle an der Ecke war ja „schon immer da”.
Ein Grader kennt die Geschichte nicht. Er sieht nur die Karte. Deshalb lohnt es sich, sie einmal so anzusehen, wie er es tut.
Die vier Kriterien
Praktisch alle Grading-Anbieter bewerten dieselben vier Dinge — und CardBroker bildet sie aus demselben Grund nach:
Zentrierung
Wie gleichmäßig läuft der Rahmen rund um das Bild? Halte die Karte gerade vor dich und vergleiche die Randbreite links gegen rechts, oben gegen unten. Die Rückseite zählt mit und wird oft vergessen.
Zentrierung ist das Kriterium, an dem die meisten Bestnoten scheitern, und es ist das einzige, das du nicht beeinflussen kannst: Es wird beim Schneiden im Werk entschieden. Eine schief geschnittene Karte ist ab Booster begrenzt.
Ecken
Mit bloßem Auge gegen eine helle Fläche halten. Gesucht wird nicht der sichtbare Knick, sondern das feine Weiß, das durchschimmert, wenn die Farbschicht an der Spitze aufgebrochen ist. Bei dunkel gerahmten Karten sieht man es sofort, bei hell gerahmten muss man genauer schauen.
Kanten
Dieselbe Prüfung entlang der vier Ränder. Weiße Punkte — im Englischen edge wear — entstehen durch Ein- und Ausstecken in Hüllen und durch Stapeln. Sie sind der typische Schaden bei Karten, die viel bewegt wurden.
Oberfläche
Die Karte schräg gegen eine Lichtquelle kippen. Erst dann zeigen sich Kratzer, Fingerabdrücke, Druckpunkte und die Krümmung — bei Holo-Karten fast immer vorhanden, weil die Folienschicht anders auf Feuchtigkeit reagiert als der Karton.
Die Skala, und was jede Stufe kostet
Für den Verkauf einer ungegradeten Karte zählt die Marktplatz-Skala. Das sind die Faktoren, mit denen CardBroker den Near-Mint-Referenzpreis umrechnet:
| Stufe | Bedeutung | Anteil vom NM-Preis | Woran man sie erkennt |
|---|---|---|---|
| MT | Mint | 1,05 × | Wie aus dem Booster, kein Handling |
| NM | Near Mint | 1,00 × | Der Referenzzustand jedes Marktpreises |
| EX | Excellent | 0,78 × | Leichte Spuren, insgesamt ansehnlich |
| GD | Good | 0,55 × | Sichtbare Abnutzung |
| LP | Light Played | 0,45 × | Deutliche Spuren, aber vollständig |
| PL | Played | 0,32 × | Starke Abnutzung |
| PO | Poor | 0,15 × | Risse, Knicke, Wasserschaden |
Der wichtigste Wert in dieser Tabelle ist die 1,00 in der zweiten Zeile: Jeder Preis, den du irgendwo liest, meint diesen Zustand. Der Sprung von Near Mint auf Good halbiert den Wert.
Die Lücke in der PSA-Skala
Wenn du über Grading nachdenkst, musst du eine Eigenheit kennen: PSA vergibt halbe Noten von 1,5 bis 8,5 — und springt dann von 9 direkt auf 10. Eine PSA 9,5 gibt es nicht.
Das ist der Kern des Grading-Risikos. Zwischen 9 und 10 liegt bei gefragten Karten oft der größte Preissprung der gesamten Skala, und es gibt keine Zwischenstufe, die den Sturz abfedert. Wer eine Karte einschickt, weil sie „eigentlich eine 10” ist, sollte vorher wissen, was die 9 bringt.
So prüfst du eine Karte in zwei Minuten
- Hülle runter. Reflexionen auf Sleeve oder Toploader verdecken genau die Details, um die es geht.
- Gegen helles, weiches Licht — Tageslicht am Fenster, keine Deckenlampe direkt über der Karte.
- Vorderseite kippen, langsam, und auf Kratzer und Krümmung achten.
- Rückseite ansehen. Sie wird am häufigsten übersprungen und ist bei älteren Karten oft der Grund für eine niedrige Note.
- Ecken und Kanten gegen die helle Fläche halten und nach Weiß suchen.
- Eine Stufe tiefer einordnen, als dein erster Impuls war. Das trifft es erfahrungsgemäß besser.
Was das Foto nicht kann
Der Karten-Scanner schätzt den Zustand aus einem Foto und rechnet ihn in den Preis ein. Zwei Grenzen gehören dazu:
- Sehr feine Kantenschäden sind aus einem Foto nicht zuverlässig zu sehen.
- Holo-Spiegelungen unter einer Deckenlampe werden leicht als Kratzer gelesen. Seitliches, weiches Licht hilft mehr als eine hellere Lampe.
Für die Alltagsbewertung einer Sammlung reicht das. Für die eine Karte, bei der es wirklich um Geld geht, ersetzt kein Foto die Sichtprüfung mit der Karte in der Hand — und ob sich das Einschicken dann rechnet, steht im Grading-Rechner.
Karte fotografieren statt nachschlagen
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