Lohnt sich das Grading?

Eine Karte einzuschicken kostet Geld und Wochen. Ob am Ende mehr herauskommt, als reingeht, entscheidet sich vorher — an drei Zahlen, die du kennen kannst, bevor du die Karte aus der Hand gibst.

Anbieterpreise geprüft 17. August 2026 Autor Colin Schweikert

Die Rechnung in einem Satz

Ein Grading lohnt sich, wenn der erwartete Wert der gegradeten Karte minus Grading- und Versandkosten größer ist als der heutige Wert der ungegradeten Karte. Das Schwierige daran ist nicht die Formel, sondern das Wort „erwartet": du weißt vorher nicht, welche Note die Karte bekommt.

Und genau daran scheitern die meisten Bauchentscheidungen. Eine Karte, die als PSA 10 das Vierfache bringt, bringt als PSA 8 oft weniger als der ungegradete Verkauf — nach Abzug der Kosten. Wer nur mit der Traumnote rechnet, rechnet falsch.

Was Grading in Europa wirklich kostet

Die günstigsten Einstiegstarife der Anbieter, die aus Deutschland ohne Zoll erreichbar sind. Stand 17. August 2026, jeweils von den Produktseiten der Anbieter selbst — nicht aus Vergleichsartikeln, die sich gegenseitig abschreiben.

AnbieterTarifPreis je KarteLaufzeit
GSG (Gold Standard Grading)
Günstigster Einstieg, deutscher Anbieter.
Grading 20,99 € 30 Werktage
CGC München
Economy 22,61 € bei 45 Werktagen.
Bulk 20,23 € 75 Werktage
Beckett Europe (BGS)
Express 89,95 € bei 15 Werktagen.
Base 22,95 € 75 Werktage
AOG (Absolute Objective Grading)
Express 43,90 €, 24-Stunden-Tarif 99,90 €.
Standard 23,90 € 45 Werktage
PSA über Card-Corner
Ab 50 Karten 104,44 €. Express 204,35 € bei 30 Werktagen.
Regular, 1–10 Karten 112,99 € 60 Werktage

Dazu kommt der Versand: rund 6,99 € pro Sendung hin und je nach Anbieter 6,99 bis 14 € zurück. Das ist der Grund, warum sich Sammeleinsendungen rechnen — die Versandkosten fallen pro Sendung an, nicht pro Karte.

Der teure Umweg

PSA direkt in den USA und CGC UK sind zollpflichtig. Bei der Rücksendung wird die Karte verzollt, und zwar auf ihren Wert — bei einer teuren Karte übersteigt das schnell die Grading-Gebühr selbst. Wer in Europa einschickt, spart nicht nur Porto, sondern diesen ganzen Block. PSA Frankfurt ist angekündigt, aber noch nicht für Einsendungen offen.

Der Zustand entscheidet vorher, nicht die Note

Die wahrscheinliche Note steckt schon in der ungegradeten Karte. Deshalb ist die ehrliche Zustandseinschätzung der wichtigste Schritt — sie bestimmt sowohl den heutigen Wert als auch die Erwartung nach dem Grading.

CardBroker rechnet den Marktwert über diese Leiter auf den tatsächlichen Zustand um. Es ist die CardMarket-Skala, weil alle Preise in der App Euro-Preise von CardMarket sind:

StufeBedeutungAnteil vom NM-PreisKurz
MT Mint 1,05 × Wie aus dem Booster, kein Handling
NM Near Mint 1,00 × Der Referenzzustand — jeder Marktpreis meint diesen
EX Excellent 0,78 × Leichte Gebrauchsspuren, insgesamt ansehnlich
GD Good 0,55 × Sichtbare Abnutzung
LP Light Played 0,45 × Deutliche Spuren, aber vollständig
PL Played 0,32 × Starke Abnutzung
PO Poor 0,15 × Risse, Knicke, Wasserschaden

Near Mint ist der Bezugspunkt: jeder Marktpreis, den du irgendwo liest, meint stillschweigend diesen Zustand. Eine Karte in Good ist nicht „etwas weniger wert", sondern etwa die Hälfte.

Die PSA-Skala hat eine Lücke

PSA vergibt halbe Noten von 1,5 bis 8,5 — und springt dann von 9 direkt auf 10. Es gibt keine PSA 9,5. Das ist kein Detail, sondern der Kern des Risikos: zwischen 9 und 10 liegt bei gefragten Karten oft der größte Preissprung der gesamten Skala, und es gibt keine Zwischenstufe, die den Sturz abfedert.

Wann es sich meistens nicht lohnt

  • Bei günstigen Karten. Liegt der ungegradete Wert unter etwa dem Doppelten der Grading-Kosten, muss die Karte schon die Bestnote treffen, damit sich der Aufwand überhaupt trägt.
  • Bei sichtbaren Mängeln. Eine Karte mit weißen Kanten oder leichter Krümmung bekommt keine 10. Das Grading macht den Mangel dann amtlich und dokumentiert ihn dauerhaft auf dem Slab.
  • Bei dünn gehandelten Karten. Wenn es für eine gegradete Fassung kaum Verkäufe gibt, ist der „Wert" eine Zahl ohne Markt dahinter — verkaufen lässt sie sich trotzdem nicht schnell.
  • Wenn du die Karte behalten willst. Grading ist eine Verkaufsvorbereitung. Für die eigene Sammlung ist es vor allem Schutz — und der ist mit einem guten Toploader deutlich billiger.

Was die App daraus macht

Das Grading-Cockpit nimmt dir die Schätzerei ab: Es bewertet aus dem Foto Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche einzeln, leitet daraus die wahrscheinliche Note ab und stellt den erwarteten Erlös je Notenstufe den tatsächlichen Kosten des jeweiligen Anbieters gegenüber — inklusive Versand und der Frage, ob Zoll anfällt. Was herauskommt, ist eine Spanne von Worst Case bis Best Case, keine einzelne Wunschzahl.

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