Die Rechnung in einem Satz
Ein Grading lohnt sich, wenn der erwartete Wert der gegradeten Karte minus Grading- und Versandkosten größer ist als der heutige Wert der ungegradeten Karte. Das Schwierige daran ist nicht die Formel, sondern das Wort „erwartet": du weißt vorher nicht, welche Note die Karte bekommt.
Und genau daran scheitern die meisten Bauchentscheidungen. Eine Karte, die als PSA 10 das Vierfache bringt, bringt als PSA 8 oft weniger als der ungegradete Verkauf — nach Abzug der Kosten. Wer nur mit der Traumnote rechnet, rechnet falsch.
Was Grading in Europa wirklich kostet
Die günstigsten Einstiegstarife der Anbieter, die aus Deutschland ohne Zoll erreichbar sind. Stand 17. August 2026, jeweils von den Produktseiten der Anbieter selbst — nicht aus Vergleichsartikeln, die sich gegenseitig abschreiben.
| Anbieter | Tarif | Preis je Karte | Laufzeit |
|---|---|---|---|
| GSG (Gold Standard Grading) Günstigster Einstieg, deutscher Anbieter. | Grading | 20,99 € | 30 Werktage |
| CGC München Economy 22,61 € bei 45 Werktagen. | Bulk | 20,23 € | 75 Werktage |
| Beckett Europe (BGS) Express 89,95 € bei 15 Werktagen. | Base | 22,95 € | 75 Werktage |
| AOG (Absolute Objective Grading) Express 43,90 €, 24-Stunden-Tarif 99,90 €. | Standard | 23,90 € | 45 Werktage |
| PSA über Card-Corner Ab 50 Karten 104,44 €. Express 204,35 € bei 30 Werktagen. | Regular, 1–10 Karten | 112,99 € | 60 Werktage |
Dazu kommt der Versand: rund 6,99 € pro Sendung hin und je nach Anbieter 6,99 bis 14 € zurück. Das ist der Grund, warum sich Sammeleinsendungen rechnen — die Versandkosten fallen pro Sendung an, nicht pro Karte.
PSA direkt in den USA und CGC UK sind zollpflichtig. Bei der Rücksendung wird die Karte verzollt, und zwar auf ihren Wert — bei einer teuren Karte übersteigt das schnell die Grading-Gebühr selbst. Wer in Europa einschickt, spart nicht nur Porto, sondern diesen ganzen Block. PSA Frankfurt ist angekündigt, aber noch nicht für Einsendungen offen.
Der Zustand entscheidet vorher, nicht die Note
Die wahrscheinliche Note steckt schon in der ungegradeten Karte. Deshalb ist die ehrliche Zustandseinschätzung der wichtigste Schritt — sie bestimmt sowohl den heutigen Wert als auch die Erwartung nach dem Grading.
CardBroker rechnet den Marktwert über diese Leiter auf den tatsächlichen Zustand um. Es ist die CardMarket-Skala, weil alle Preise in der App Euro-Preise von CardMarket sind:
| Stufe | Bedeutung | Anteil vom NM-Preis | Kurz |
|---|---|---|---|
| MT | Mint | 1,05 × | Wie aus dem Booster, kein Handling |
| NM | Near Mint | 1,00 × | Der Referenzzustand — jeder Marktpreis meint diesen |
| EX | Excellent | 0,78 × | Leichte Gebrauchsspuren, insgesamt ansehnlich |
| GD | Good | 0,55 × | Sichtbare Abnutzung |
| LP | Light Played | 0,45 × | Deutliche Spuren, aber vollständig |
| PL | Played | 0,32 × | Starke Abnutzung |
| PO | Poor | 0,15 × | Risse, Knicke, Wasserschaden |
Near Mint ist der Bezugspunkt: jeder Marktpreis, den du irgendwo liest, meint stillschweigend diesen Zustand. Eine Karte in Good ist nicht „etwas weniger wert", sondern etwa die Hälfte.
Die PSA-Skala hat eine Lücke
PSA vergibt halbe Noten von 1,5 bis 8,5 — und springt dann von 9 direkt auf 10. Es gibt keine PSA 9,5. Das ist kein Detail, sondern der Kern des Risikos: zwischen 9 und 10 liegt bei gefragten Karten oft der größte Preissprung der gesamten Skala, und es gibt keine Zwischenstufe, die den Sturz abfedert.
Wann es sich meistens nicht lohnt
- Bei günstigen Karten. Liegt der ungegradete Wert unter etwa dem Doppelten der Grading-Kosten, muss die Karte schon die Bestnote treffen, damit sich der Aufwand überhaupt trägt.
- Bei sichtbaren Mängeln. Eine Karte mit weißen Kanten oder leichter Krümmung bekommt keine 10. Das Grading macht den Mangel dann amtlich und dokumentiert ihn dauerhaft auf dem Slab.
- Bei dünn gehandelten Karten. Wenn es für eine gegradete Fassung kaum Verkäufe gibt, ist der „Wert" eine Zahl ohne Markt dahinter — verkaufen lässt sie sich trotzdem nicht schnell.
- Wenn du die Karte behalten willst. Grading ist eine Verkaufsvorbereitung. Für die eigene Sammlung ist es vor allem Schutz — und der ist mit einem guten Toploader deutlich billiger.
Was die App daraus macht
Das Grading-Cockpit nimmt dir die Schätzerei ab: Es bewertet aus dem Foto Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche einzeln, leitet daraus die wahrscheinliche Note ab und stellt den erwarteten Erlös je Notenstufe den tatsächlichen Kosten des jeweiligen Anbieters gegenüber — inklusive Versand und der Frage, ob Zoll anfällt. Was herauskommt, ist eine Spanne von Worst Case bis Best Case, keine einzelne Wunschzahl.
Eine Karte durchrechnen
Der Free-Plan enthält einen Profi-Scan pro Monat — genug, um die eine Karte zu prüfen, bei der du unsicher bist.
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